Sturzerkennung ohne Armband: Welche Möglichkeiten gibt es?
Ein Notrufknopf hilft nur, wenn er getragen und gedrückt wird. Viele ältere Menschen legen ihn aber ab – nachts, beim Duschen oder weil er stört. Sturzerkennung ohne Armband setzt deshalb auf Sensoren in der Wohnung, die Stürze selbst bemerken. Hier die gängigen Arten im Überblick.
Hinweis: Wir entwickeln mit Sento selbst einen solchen Sensor. Wir nennen deshalb keine Marken und beschreiben alle Verfahren so neutral wie möglich.
Kurz gesagt
Sturzerkennung ohne Armband heißt: Ein Sensor an der Wand, an der Decke, am Boden oder in der Steckdose erkennt, dass eine Person gestürzt ist oder lange reglos liegt, und löst dann automatisch einen Alarm aus. Die Person muss nichts tragen und nichts drücken. Die Verfahren unterscheiden sich vor allem darin, was sie messen, wie viel sie über die Bewohner verraten und welche Räume sie abdecken.
1. Radarsensoren
Kleine Radargeräte an Wand oder Decke senden schwache Funkwellen aus und messen deren Reflexionen. Daraus erkennen sie Bewegung, Position und – je nach Gerät – sogar die Atmung. Radar funktioniert im Dunkeln und durch Duschvorhänge, macht keine Bilder und eignet sich deshalb auch fürs Bad.
- Vorteil: keine Bilder, genaue Erkennung im Sichtfeld.
- Zu beachten: meist ein Gerät pro Raum, Montage an Wand oder Decke.
2. Infrarot- und Wärmesensoren
Wärmesensoren sehen die Körperwärme als grobes Wärmebild mit wenigen Bildpunkten. Liegt eine warme Fläche lange am Boden, meldet der Sensor einen möglichen Sturz. Gesichter oder Details sind auf so niedriger Auflösung nicht zu erkennen.
- Vorteil: wenig aussagekräftige Daten, funktioniert ohne Licht.
- Zu beachten: Heizkörper oder Sonneneinstrahlung können stören, ein Gerät pro Raum.
3. Kamerasysteme mit Bildauswertung
Kameras mit eingebauter Auswertung erkennen Körperhaltungen sehr genau. Gute Systeme speichern keine Bilder, sondern werten sie direkt im Gerät aus und zeigen im Alarmfall höchstens eine Silhouette.
- Vorteil: hohe Erkennungsgenauigkeit im Sichtfeld.
- Zu beachten: Eine Kamera im Schlafzimmer oder Bad wird von vielen als Eingriff in die Privatsphäre empfunden. Klären Sie genau, was aufgezeichnet und wohin es übertragen wird.
4. Sensormatten und Sensorböden
Drucksensitive Matten vor dem Bett oder ganze Sensorböden melden, wenn jemand aufsteht oder am Boden liegt. Sie sind vor allem in Pflegeeinrichtungen verbreitet, etwa als Bettausstiegsmeldung in der Nacht.
- Vorteil: einfach und zuverlässig an genau einer Stelle.
- Zu beachten: Matten sind selbst eine Stolperfalle; Sensorböden erfordern einen Umbau.
5. WLAN-Signale (WLAN-Sensing)
Das jüngste Verfahren: WLAN-Funkwellen breiten sich im Raum aus und werden vom Körper gestreut. Bewegt sich jemand, ändert sich das Signal auf messbare Weise – in der Fachsprache „Channel State Information“. Eine Software erkennt darin typische Muster eines Sturzes oder langer Reglosigkeit. Es gibt keine Bilder und keine Töne, die Geräte können unauffällig in der Steckdose stecken.
- Vorteil: unauffällig, keine Bilder, kein Umbau.
- Zu beachten: Das Verfahren ist neu; die meisten Systeme sind in Entwicklung oder Erprobung. Fragen Sie nach Ergebnissen aus dem Alltag, nicht nur aus dem Labor.
Nach diesem Prinzip arbeitet auch Sento. Wie genau, erklären wir auf der Seite So funktioniert Sento.
Und Bewegungsmelder oder Aktivitätsmuster?
Manche Systeme erkennen keinen Sturz, sondern Abweichungen vom Alltag: Die Kaffeemaschine wird morgens nicht eingeschaltet oder der Bewegungsmelder im Flur bleibt stumm. Das ist eine sinnvolle Ergänzung, meldet sich aber oft erst nach Stunden – für einen Sturz ist das zu spät.
Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten
- Abdeckung: Welche Räume werden überwacht? Wichtig sind die Räume, in denen sich die Person am häufigsten aufhält, und der Weg vom Bett zum Bad.
- Privatsphäre: Was misst das Gerät, was wird gespeichert, und wer sieht es?
- Alarmkette: Wer bekommt den Alarm, und was passiert, wenn niemand reagiert?
- Ausfälle: Merkt das System, wenn ein Gerät ausgesteckt wird oder das Internet fehlt?
- Fehlalarme: Wie häufig kommen sie im Alltag vor, und wie leicht lassen sie sich abbrechen?
- Kosten: Einmalpreis oder Abo, und zahlt die Pflegekasse etwas dazu? Mehr dazu im Artikel Zuschuss der Pflegekasse.
Einen Vergleich mit Hausnotruf und Notrufuhr finden Sie im Artikel Hausnotruf, Notrufuhr oder Sensor.